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Rückkehr nach Kroatien: Was der Staat zahlt, was wir erlebt haben

Kristijan Bezjak12 Min. Lesezeit
Rückkehr nach Kroatien: Was der Staat zahlt, was wir erlebt haben
Foto: Naturpuur / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Minister Ivan Šipić stellt am 30. Oktober in München die Rückkehrprogramme vor. Wir haben die Bedingungen 2026 an der Quelle geprüft und berichten, was wir in sieben Monaten als Gründer in Zagreb gelernt haben.

Geprüft: 27. Oktober 2026, 21:10

Am Freitag, 30. Oktober 2026, stellt Kroatiens Minister für Demografie und Einwanderung, Ivan Šipić, in München die Rückkehrprogramme der Regierung vor. Vortrag und Diskussion tragen den Titel „Kroaten außerhalb der Republik Kroatien als demografisches Potenzial“ und beginnen um 19:15 Uhr im Großen Saal der Kroatischen Katholischen Gemeinde München in der Schwanthalerstraße 96. Gastgeber sind die Gemeinde, der Akademische Kreis und das Kroatische Generalkonsulat München, berichtet HRT Glas Hrvatske.

Der Abend richtet sich an Kroatinnen und Kroaten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die über eine Rückkehr nachdenken. Damit Sie vorbereitet hingehen, haben wir die Programme mit Beträgen und Bedingungen aus den Seiten der Ministerien, der Steuerverwaltung und des Arbeitsamts HZZ zusammengestellt. Im zweiten Teil berichten wir, was wir selbst seit März 2026 beim Aufbau einer Firma in Zagreb erlebt haben.

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Die Programme 2026 im Überblick

Die größte Leistung ist steuerlich: Wer zurückkehrt und in Kroatien angestellt arbeitet, ist fünf Jahre lang von der Einkommensteuer auf den Lohn befreit. Dazu kommen Zuschüsse des HZZ für alle, die sich selbstständig machen, und in Zagreb ein städtisches Startup-Programm. Stand aller Angaben: 27. Oktober 2026.

ProgrammFür wenLeistungStand
Steuerbefreiung für Rückkehrer (Steuerverwaltung)Kroatische Staatsbürger, auch Auswanderer und Nachkommen mit kroatischem Pass, die mindestens 2 Jahre ununterbrochen im Ausland lebten und ab 1. Januar 2025 zurückkehren100 % weniger Einkommensteuer auf den Lohn, 5 Jahre langGilt seit 1. Januar 2025, die Steuerverwaltung prüft von Amts wegen anhand der Meldedaten
Biram Hrvatsku (HZZ)Rückkehrer bis 60 Jahre, die in den letzten 24 Monaten mindestens 12 Monate im EWR, in der Schweiz, im Vereinigten Königreich, in Amerika, Australien oder Neuseeland gearbeitet oder gelernt haben und sich 2025 oder 2026 selbstständig machen7.000 € einmaligBedingungen 2026; Selbstständigkeit nach dem 30. November 2025, nach der Rückkehr beim HZZ arbeitslos gemeldet
Gründungszuschuss (HZZ)Arbeitslos gemeldete Personen, die eine Firma gründenBis 7.000 € für ein pauschal besteuertes Obrt, sonst je nach Branche bis 15.000 €; Variante grün oder digital bis 10.000 € für das Pauschal-ObrtAnträge für 2026 liefen bis 30. September 2026
Steuerermäßigung für junge LeuteAngestellte bis 25 Jahre (für 2026 Jahrgang 2001 und jünger) und von 26 bis 30 (Jahrgänge 1996 bis 2000)100 % beziehungsweise 50 % weniger Einkommensteuer auf den Lohn im niedrigeren SteuersatzLäuft über den Jahresausgleich; die Rückkehrer-Befreiung tritt an ihre Stelle
ZICER Startup Factory (Stadt Zagreb)j.d.o.o. oder d.o.o. jünger als 1 Jahr mit Sitz in Zagreb, mindestens 2 Teammitglieder, innovative TechnologieBis 50.000 € bei 100 % FörderquoteAusschreibung 2026 lief bis 7. Mai 2026
Mikrokredit für Wachstum und Inklusion (HAMAG-BICRO)Junge Firmen bis 3 Jahre; der Mehrheitseigentümer hält an anderen Firmen höchstens 30 %Kredit von 1.000 bis 50.000 €; Zins: Basissatz minus 2,5 Prozentpunkte, mindestens 0,5 %Programm vom September 2026
Programme für Rückkehrer und Gründer in Kroatien, Stand 27. Oktober 2026

Zwei Bedingungen entscheiden in der Praxis. Die Steuerbefreiung setzt voraus, dass der Wegzug aus Kroatien beim Innenministerium gemeldet war oder nie ein Wohnsitz in Kroatien bestand, und sie gilt für Lohn aus einer Anstellung. Für Biram Hrvatsku verlegen Rückkehrer ihren Wohnsitz nach dem 1. Januar 2025 nach Kroatien und melden sich vor der Gründung beim HZZ arbeitslos; beide HZZ-Zuschüsse lassen sich kombinieren, Biram Hrvatsku gibt es einmal pro Person. Details stehen beim HZZ zu Biram Hrvatsku und zum Gründungszuschuss sowie bei der Steuerverwaltung.

Nachkommen von Auswanderern ohne kroatischen Pass regeln ihren Aufenthalt mit einer Bestätigung des Ministeriums für Demografie und Einwanderung: Sie erhalten damit einen befristeten Aufenthalt für bis zu zwei Jahre mit Verlängerung, nach drei Jahren ist ein Daueraufenthalt möglich. Laut Ministerium steht ihnen auch Biram Hrvatsku offen. Außerdem vergibt das Ministerium Stipendien für Kroatischkurse in Kroatien.

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Bürge und Blankowechsel: Ohne Bürgen in Kroatien keine 7.000 €

Eine Bedingung steht im Abschnitt zu den Sicherheiten und wird leicht übersehen: Der HZZ zahlt Biram Hrvatsku und den Gründungszuschuss nur gegen eine Bjanko-Zadužnica aus, einen notariell beglaubigten Blankowechsel. Er muss spätestens 8 Tage nach Unterzeichnung des Fördervertrags beim HZZ liegen und auf einen höheren Betrag lauten als die Förderung; die Notarkosten trägt der Empfänger. Werden die Bedingungen verletzt, etwa weil die Firma vor Ablauf von 24 Monaten schließt, darf der HZZ den Wechsel ohne gesonderte Ankündigung einlösen. So steht es in den Bedingungen zu Biram Hrvatsku und im Mustervertrag zum Gründungszuschuss.

Den Wechsel unterschreibt neben dem Empfänger mindestens ein Bürge (jamac platac). Nach den HZZ-Bedingungen 2026 muss der Bürge kroatischer Staatsbürger mit Wohnsitz in Kroatien sein; bei Biram Hrvatsku genügt auch ein gemeldeter Aufenthalt. Bei einem Obrt oder einer anderen Form ohne Gesellschaft verlangen die Bedingungen ausdrücklich eine andere Person (druga fizička osoba): Sich selbst als Bürgen einzutragen, geht nicht. Bei einer j.d.o.o. oder d.o.o. nennen die HZZ-Bedingungen die Gesellschafter und Geschäftsführer als Bürgen, für sie gilt dieselbe Bedingung.

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Auf unsere Nachfrage beim HZZ hieß es, der Bürge müsse in Kroatien gemeldet sein, dort wohnen und sozialversichert beschäftigt sein, und das gelte auch für den Gründungszuschuss bis 15.000 €. Die Beschäftigung steht so nicht in den veröffentlichten Bedingungen; welche Nachweise das zuständige HZZ-Büro für den Bürgen verlangt, klären Sie am besten vor der Gründung.

Für Rückkehrer heißt das: Wer allein nach Kroatien zieht und dort niemanden kennt, bekommt die 7.000 € für ein Obrt ohne Bürgen nicht. Am einfachsten ist die Rückkehr zu zweit oder mit Familie in Kroatien, etwa Eltern, Geschwistern oder einem Partner mit kroatischem Pass, die dort wohnen und arbeiten. Ob bei einer Ein-Personen-j.d.o.o. der Gründer allein als Bürge reicht, sollten Sie vorher beim HZZ erfragen.

Für Rückkehrer, die eine Stelle antreten, nannte der HZZ auf unsere Nachfrage 3.500 € zusätzlich zum Lohn. In den veröffentlichten Bedingungen 2026 steht dieser Betrag bei Biram Hrvatsku für Selbstständige, die innerhalb Kroatiens aus einer stärker in eine schwächer entwickelte Gegend ziehen; eine Zahlung an angestellte Rückkehrer haben wir dort nicht gefunden. Die genaue Bedingung erfragen Sie beim HZZ; fest steht für Angestellte die fünfjährige Steuerbefreiung.

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Welche Branchen der Staat beim Start stärkt

Der Gründungszuschuss des HZZ zeigt, wohin der Staat neue Firmen lenkt. Die höchste Stufe gibt es für Handwerk und Industrie. Für Rückkehrer aus dem Tourismus heißt das: Startkapital kommt aus Biram Hrvatsku, einem Kredit oder eigenem Geld, denn Unterkunft und Gastronomie liegen außerhalb des Zuschusses.

  • Handwerk, Bau, Metall und Maschinenbau (NKD C 25 bis 33, F): bis 15.000 €
  • IT und Telekommunikation (K) sowie Industrie von Lebensmitteln bis Chemie (C 10 bis 24): bis 10.000 €
  • Gesundheit und Soziales (R), Bildung (Q), Fach- und Beratungsdienste (N), Kunst und Kultur (S): bis 7.000 €
  • Außerhalb des Zuschusses: Unterkunft und Gastronomie (I), Handel (G), Transport (H), Immobilien (M), Landwirtschaft (A)

Bei den Löhnen lohnt der Blick auf die Branche. Im August 2026 lag der Durchschnitt laut Statistikamt DZS bei 1.543 € netto, die Hälfte der Beschäftigten verdiente 1.336 € oder weniger. Im Gesundheitswesen waren es im Juni 2.154 € netto, in Restaurants, Cafés und Bars im August 1.140 € (mehr zu den Löhnen in Kroatien).

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Erfahrungsbericht des Herausgebers: sieben Monate Gründen in Zagreb

Dieser Teil ist persönlich. Croatia Atlas schreibt Kristijan Bezjak, der viele Jahre Erfahrung aus Deutschland in Informatik, Gesundheitswesen und Nachwuchsfußball mitbringt und in Zagreb eine eigene Firma aufgebaut hat. Im März 2026 haben wir ein Obrt angemeldet, im September folgte die GEARSTACK j.d.o.o., beide mit Sitz in Zagreb. Heute sind wir zwei Gründer und ein Teammitglied.

Den IT-Arbeitsmarkt in Zagreb haben wir als hart umkämpft erlebt. Wir haben daraus eine Entscheidung gemacht und eine eigene Firma aufgebaut: Software für Sport und Alltag, entwickelt in Zagreb, verkauft in der ganzen EU. Das lief gut, und das hat Zeit gekostet.

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Was für Kroatien spricht

  • Zwei Rechtsformen in einem Jahr: Ein Obrt eignet sich für den Start, eine j.d.o.o. für Investoren und Programme wie ZICER, die Gesellschaften verlangen.
  • Von Zagreb aus erreichen wir den ganzen EU-Markt. Unsere Apps und Websites sind live: die Preisvergleichs-App Pinezi seit Oktober bei Google Play und im App Store, Gearstack Health seit Juli 2026 im App Store und diese Website.
  • Offene Daten öffnen Türen: Seit 15. Mai 2025 müssen Händler ihre Preislisten veröffentlichen. Darauf baut Pinezi auf.
  • Ein lebendiges Startup-Umfeld: Zagreb hat mit ZICER ein städtisches Programm mit 100 % Förderquote, dazu Acceleratoren und Business-Angel-Netzwerke. Wir haben uns bei kroatischen Programmen beworben und warten auf die Entscheidungen.

Was Zeit und Geduld kostet

  • Internationale Plattformen und kroatische Register: Die Umstellung unseres Apple-Entwicklerkontos vom Einzelkonto auf die Firma dauerte vom 4. August bis 7. Oktober 2026. Apple verlangte lange einen Handelsregisterauszug, ein Obrt steht aber im Gewerberegister. Unsere kroatischen Dokumente brauchten eine englische Übersetzung.
  • Förderregeln im Detail: HAMAG hat unseren Antrag auf den Mikrokredit wegen der 30-%-Regel abgelehnt. Der Mehrheitseigentümer eines jungen Unternehmens darf an anderen Firmen höchstens 30 % halten, und unsere j.d.o.o. gehört vollständig dem Gründer.
  • Fristen: Der Gründungszuschuss des HZZ hatte für 2026 seinen Stichtag am 30. September. Wer im Herbst zurückkommt, plant mit den Bedingungen des Folgejahres.
  • Löhne gehören in jede Rückkehr-Rechnung. Für Angestellte gleicht die fünfjährige Steuerbefreiung beim Nettolohn einen Teil aus.

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Was das für Rückkehrer heißt

  • Abwesenheit belegen: Für die Steuerbefreiung zählen mindestens zwei Jahre Abwesenheit, die beim Innenministerium gemeldet sind. Prüfen Sie Ihre Meldedaten vor dem Umzug.
  • Reihenfolge planen: Für Biram Hrvatsku zuerst den Wohnsitz nach Kroatien verlegen, dann beim HZZ melden, dann gründen.
  • Rechtsform früh wählen: Wer Investoren oder ZICER anpeilt, gründet eine j.d.o.o. oder d.o.o.; wer einen HAMAG-Kredit möchte, prüft vorher die 30-%-Regel.
  • Übersetzungen einplanen: Registerauszüge auf Englisch sparen Wochen bei Apple, Google und anderen internationalen Partnern.
  • Fragen mitnehmen: Die Diskussion am 30. Oktober in München ist eine Gelegenheit, das Ministerium zum eigenen Fall zu fragen.

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Häufige Fragen

Wie viel zahlt Kroatien Rückkehrern, die sich selbstständig machen?
Der HZZ zahlt über Biram Hrvatsku einmalig 7.000 € an Rückkehrer bis 60, die in den letzten 24 Monaten mindestens 12 Monate im Ausland gearbeitet oder gelernt haben und sich nach der Rückkehr arbeitslos melden. Dazu kommt der Gründungszuschuss von bis zu 15.000 €, je nach Rechtsform und Branche; Anträge für 2026 liefen bis 30. September 2026.
Brauche ich einen Bürgen für die HZZ-Förderung?
Ja. Biram Hrvatsku (7.000 €) und der Gründungszuschuss (bis 15.000 €) werden erst gegen einen notariell beglaubigten Blankowechsel ausgezahlt, den auch ein Bürge unterschreibt. Er muss kroatischer Staatsbürger mit Wohnsitz in Kroatien sein, bei einem Obrt muss das eine andere Person sein, sich selbst einzutragen geht nicht. Auf unsere Nachfrage nannte der HZZ zusätzlich eine sozialversicherte Beschäftigung in Kroatien.
Zahlen Rückkehrer in Kroatien Einkommensteuer?
Wer mindestens zwei Jahre ununterbrochen im Ausland gelebt hat und ab 1. Januar 2025 zurückgekehrt ist, ist fünf Jahre von der Einkommensteuer auf den Lohn befreit. Die Steuerverwaltung prüft das von Amts wegen anhand der Meldedaten; die Befreiung gilt für Lohn aus Anstellung und ersetzt die Ermäßigung für Menschen unter 30.
Wann und wo stellt Minister Šipić die Programme in München vor?
Am Freitag, 30. Oktober 2026, um 19:15 Uhr im Großen Saal der Kroatischen Katholischen Gemeinde München, Schwanthalerstraße 96. Gastgeber von Vortrag und Diskussion sind die Gemeinde, der Akademische Kreis und das Kroatische Generalkonsulat München.

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