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Ist Kroatien das sicherste Land Europas? Das sagen die Zahlen 2026

Kristijan Bezjak12 Min. Lesezeit
Ist Kroatien das sicherste Land Europas? Das sagen die Zahlen 2026
Foto: Son of Groucho / CC BY 2.0

In keinem EU-Land wird Kriminalität vor der Haustür seltener beklagt. Seit März 2026 ist Kroatien frei von bekannten Minen. Das echte Risiko für Besucher ist die Straße.

Geprüft: 29. September 2026

Nach einem wichtigen Maßstab: ja. Als Eurostat zuletzt im Jahr 2023 Haushalte in der gesamten Europäischen Union fragte, ob Kriminalität, Gewalt oder Vandalismus in ihrer Wohngegend ein Problem sei, bejahten das in Kroatien nur 1,4 Prozent der Menschen. Das war der niedrigste Anteil aller 27 Mitgliedstaaten, weit unter dem EU-Durchschnitt von 10 Prozent, den 10,7 Prozent in Deutschland oder den 7 Prozent in Österreich. Gewaltkriminalität gegen Besucher ist selten, und im März 2026 schloss Kroatien zudem das letzte Kapitel einer alten Sorge, als es sich für frei von Landminen erklärte.

Risikofrei ist das Land deshalb nicht, und die breiter angelegten weltweiten Rankings fallen zurückhaltender aus als die Schlagzeile. Dieser Ratgeber erklärt, was die Zahlen tatsächlich messen, welchen Delikten Sie als Besucher begegnen könnten, warum die Straße eine größere Gefahr ist als jeder Taschendieb und welche Nummern Sie vor der Ankunft speichern sollten.

Was die Eurostat-Zahlen messen

Der Wert stammt aus EU-SILC, der großen Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen, die jeder Mitgliedstaat mit denselben Fragen durchführt. Polizeiliche Anzeigen zählt sie nicht. Sie fragt die Einwohner, ob Kriminalität, Gewalt oder Vandalismus in ihrer eigenen Gegend ein Problem ist. Das kommt dem nahe, was ein Besucher bemerkt, wenn er um Mitternacht zu seiner Ferienwohnung zurückläuft. Mit 1,4 Prozent lag Kroatien deutlich vor den Ländern mit den nächstniedrigen Werten: Litauen mit 2,7 Prozent und Polen mit 2,8 Prozent. Am anderen Ende der Tabelle standen Frankreich mit 14,7, die Niederlande mit 16,7 und Griechenland mit 20,9 Prozent.

LandAnteil der Bevölkerung
Kroatien1,4%
Litauen2,7%
Polen2,8%
Italien6,4%
Slowenien6,8%
Österreich7,0%
EU-Durchschnitt10,0%
Deutschland10,7%
Frankreich14,7%
Niederlande16,7%
Griechenland20,9%
Menschen, die Kriminalität, Gewalt oder Vandalismus in ihrer Wohngegend als Problem bezeichnen (Eurostat, 2023)

Eine Umfrageantwort ist ebenso sehr Wahrnehmung wie Statistik, und eine ruhige Straße in einem dalmatinischen Dorf ist nicht dasselbe wie ein überfüllter Platz in Split im Juli. Doch der Abstand ist groß und kein einmaliger Ausreißer: In derselben Erhebung von 2019 lag Kroatien bei 2,7 Prozent, der EU-Durchschnitt bei 11 Prozent.

Wo Kroatien im Global Peace Index steht

Der Global Peace Index 2026 des Institute for Economics and Peace führt Kroatien mit einem Wert von 1,619 auf Platz 23 von 163 Ländern. Island belegt Platz eins, die Schweiz Platz drei, Slowenien Platz vier und Österreich Platz sechs. Der Index reicht weit über Straßenkriminalität hinaus: Er kombiniert 23 Indikatoren, von der Mordrate und der Wahrscheinlichkeit gewaltsamer Demonstrationen bis zu Militärausgaben, Waffenimporten und den Beziehungen zu Nachbarländern. Länder ohne Armee oder mit langer Neutralitätstradition schneiden gut ab. Deshalb kann sich ein Land auf der Straße sehr sicher anfühlen, ohne ganz an der Spitze zu stehen.

Die ehrliche Antwort auf die Frage im Titel hat also zwei Teile. Wenn „am sichersten“ die geringste Kriminalität bedeutet, die Einwohner rund um ihr Zuhause wahrnehmen, liegt Kroatien in der Europäischen Union an der Spitze. Ist dagegen das insgesamt friedlichste Land gemeint, gehört Kroatien zu den 25 friedlichsten Ländern der Welt, hinter Nachbarn wie Slowenien und Österreich.

Welche Kriminalität Besuchern tatsächlich begegnen kann

Laut den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts ist die Straßenkriminalität sehr gering, Gewaltdelikte sind selten. Was vorkommt, sind Diebstähle. Taschendiebstahl und andere Kleinkriminalität konzentrieren sich dort, wo Gedränge herrscht, und für Zagreb nennt das Auswärtige Amt die Nachtstunden, den Hauptbahnhof mit der angrenzenden unterirdischen Einkaufspassage sowie den Busbahnhof. Für das Land insgesamt formuliert es das britische Außenministerium schlicht: In touristischen Gegenden sind Taschendiebe aktiv. In der Hochsaison heißt das: die Hauptstraßen der Altstädte, die Uferpromenaden und die Warteschlangen für Boote und Busse.

Die eine Masche, vor der die britischen und die deutschen Reisehinweise gleichermaßen warnen, betrifft die Rechnung. Einige Bars und Nachtclubs, darunter sogenannte Gentlemen's Clubs, haben Touristen massiv überhöhte Preise berechnet, laut den britischen Hinweisen mitunter Tausende Euro, und das Auswärtige Amt ergänzt, dass die Zahlung zum Teil unter Androhung von Gewalt verlangt wurde. Das Risiko ist selten und vermeidbar, und ein paar Gewohnheiten schützen davor ebenso wie vor Taschendiebstahl:

  • Tragen Sie Handy und Geldbörse im Gedränge, in Bussen und an Bahnhöfen in der vorderen Hosentasche oder in einer geschlossenen Tasche.
  • Werfen Sie in einer Bar, die Sie nicht kennen, vor der Bestellung einen Blick in die Preisliste, und bezahlen Sie jede Runde gleich, statt anschreiben zu lassen.
  • Lehnen Sie ab, wenn Sie jemand auf der Straße mit einem Clubtipp oder freiem Eintritt anspricht.
  • Nehmen Sie ein Taxi mit Taxameter oder buchen Sie über eine Fahrdienst-App, und prüfen Sie den Preis vor der Abfahrt.
  • Lassen Sie im geparkten Auto nichts sichtbar liegen und Ihre Taschen am Strand nicht unbeaufsichtigt, während Sie schwimmen.
  • Wird Ihnen etwas gestohlen, melden Sie es bei der nächsten Polizeidienststelle oder rufen Sie die 192 an: Ihre Versicherung wird den Polizeibericht verlangen.

Landminen: Die alte Warnung ist Geschichte

Drei Jahrzehnte lang gehörten die roten Warnschilder im Hinterland zu jedem ehrlichen Reiseführer über Kroatien. Dieses Kapitel endete im März 2026, als sich Kroatien offiziell für frei von Landminen erklärte. Nach Angaben der Europäischen Kommission wurden nach dem Krieg der 1990er-Jahre rund 107.000 Minen geräumt. Seit 1998 hat die Räumung 1,2 Milliarden Euro gekostet, etwa ein Viertel davon hat die EU bezahlt. Seit 1996 wurden in Kroatien 612 Menschen durch Minen getötet oder verletzt, 208 von ihnen starben.

In den ehemaligen Frontgebieten ist die alte Vorsicht weiterhin sinnvoll. Das Auswärtige Amt und das britische Außenministerium raten Besuchern in ihren Reisehinweisen nach wie vor, dort auf Straßen und Wegen zu bleiben, und die britischen Hinweise nennen Teile Ostslawoniens und der Gespanschaften Brod-Posavina, Karlovac und Zadar sowie abgelegene Gebiete rund um die Plitvicer Seen. Für Wanderer bedeutet das schlicht: auf markierten Wegen bleiben. Sollten Sie je auf eine alte Granate oder einen rostigen Gegenstand stoßen, der wie Munition aussieht, fassen Sie ihn nicht an, merken Sie sich die Stelle und rufen Sie die 112 an.

Das eigentliche Risiko ist die Straße

Schaut man darauf, was Menschen in Kroatien tatsächlich schadet, fällt der Verkehr weit stärker ins Gewicht als die Kriminalität. Nach den vorläufigen Zahlen der Europäischen Kommission für 2025 verzeichnete Kroatien 67 Verkehrstote pro Million Einwohner, bei einem EU-Durchschnitt von 43. Nur Bulgarien mit 71 und Rumänien mit 68 schnitten schlechter ab. Die endgültigen Zahlen folgen im Herbst 2026.

Für Besucher heißt das, die Autofahrt so sorgfältig zu planen wie den Strandtag. Die alte Küstenstraße, die Jadranska magistrala, ist zweispurig und hat viele Kurven. Nehmen Sie sie deshalb nicht müde am Ende eines langen Reisetages in Angriff. Die Autobahn A1 ist schneller und hat Rastplätze. Diese Regeln sollten Sie kennen:

  • Die Alkoholgrenze liegt bei 0,5 Promille, für Fahrer unter 25 Jahren bei 0,0 Promille.
  • Von Ende Oktober bis Ende März ist Abblendlicht auch tagsüber Pflicht.
  • Auf See gilt dasselbe Prinzip: Die britischen Reisehinweise warnen vor hohen Strafen für alle, die ein Boot führen und getrunken haben.
  • Unser Ratgeber zum Autofahren in Kroatien behandelt Führerscheine, Maut und Tempolimits.

Meer, Hitze und Feuer

Die übrigen Risiken eines Kroatien-Urlaubs sind natürlicher Art. Hitze, plötzlicher Wind und Sprünge ins Wasser an Stellen, die niemand geprüft hat, sorgen an der Küste für mehr Ärger als jeder Dieb, und Rettungsschwimmer gibt es selten. Unser Fünf-Minuten-Check für einen sicheren Strandtag erklärt die offiziellen Warnungen, die Winde und die Hitze. Waldbrände sind in heißen, trockenen Sommern häufig, wie das britische Außenministerium anmerkt. Bricht in der Nähe ein Feuer aus, befolgen Sie ohne Diskussion die Anweisungen der Feuerwehr. Zünden Sie im Freien niemals ein Feuer an, und werfen Sie keine Zigarette weg.

Ausländische Polizisten auf Sommerstreife

Ein Detail, das vielen Besuchern auffällt: Im Sommer gehen Polizisten in ausländischen Uniformen gemeinsam mit kroatischen Kollegen auf den Promenaden Streife. Das kroatische Innenministerium betreibt das Projekt seit 2006, zunächst als „Sichere Touristensaison“, heute als „Sichere Touristendestination“ (Sigurna turistička destinacija). Im Jahr 2026 waren 31 Beamte aus neun Ländern, darunter Deutschland, Polen, Tschechien, die Slowakei, Italien, die Niederlande und Frankreich, vom 3. Juli bis 29. August in der Gespanschaft Split-Dalmatien im Einsatz, zum Beispiel in Omiš und Trogir sowie bei der Seepolizei in Split. Polizeiliche Befugnisse haben sie in Kroatien nicht. Ihre Aufgabe ist die Prävention sowie die Hilfe für Besucher aus ihren Heimatländern in deren eigener Sprache, und viele Touristen sprechen sie einfach für ein Foto an.

Notrufnummern zum Speichern

Speichern Sie diese Nummern vor der Reise. Die einheitliche Notrufnummer 112 und die Direktnummern der Notdienste sind von jedem Telefon aus kostenlos erreichbar:

  • 112: Polizei, Krankenwagen, Feuerwehr und Rettung unter einer Nummer
  • 192: Polizei
  • 193: Feuerwehr
  • 194: Krankenwagen
  • 195: Suche und Rettung auf See
  • 1987: Pannenhilfe des Kroatischen Automobilclubs (HAK)

Sicher für wen? Vier Situationen

  • Nachts zu Fuß: Die Altstadtkerne der Städte und Küstenorte sind im Sommer bis spät belebt. Bleiben Sie an den Orten wachsam, die das Auswärtige Amt für Zagreb nennt: Bahnhöfe und Unterführungen bei Nacht.
  • Allein unterwegs: Es gelten dieselben Gewohnheiten wie überall in Europa. Behalten Sie in Clubs Ihr Getränk im Blick, und sagen Sie vor einer langen Wanderung jemandem, welche Route Sie nehmen.
  • Mit Kindern unterwegs: Die Sorgen heißen Hitze und Wasser, nicht Kriminalität. Unser Ratgeber Kroatien mit Kindern behandelt Strände und die praktische Planung.
  • Wandern: Bleiben Sie auf markierten Wegen, nehmen Sie genug Wasser mit, brechen Sie im Sommer früh auf, und rufen Sie im Notfall die 112 an.

Das Fazit

Ist Kroatien das sicherste Land Europas? Gemessen an der Frage, die Einwohner zu ihrer eigenen Wohngegend beantworten: ja. Kein EU-Land meldete 2023 weniger Kriminalität, Gewalt oder Vandalismus rund um das eigene Zuhause. Im breiter angelegten Global Peace Index gehört Kroatien zu den 25 friedlichsten Ländern der Welt. Für Besucher ergibt das eine kurze Liste: Achten Sie im Gedränge auf Ihre Taschen, prüfen Sie in einer unbekannten Bar vor der Bestellung den Preis, fahren Sie so, als wäre die Straße das Hauptrisiko, denn das ist sie, und speichern Sie die 112.

Häufige Fragen

Ist Kroatien 2026 sicher für Touristen?
Ja. Gewaltkriminalität gegen Besucher ist selten. In der Eurostat-Erhebung von 2023 berichteten nur 1,4 Prozent der Menschen in Kroatien von Kriminalität, Gewalt oder Vandalismus in ihrer Wohngegend, der niedrigste Anteil in der EU, und der Global Peace Index 2026 führt Kroatien auf Platz 23 von 163 Ländern. Die Hauptrisiken sind Taschendiebstahl in belebten Touristengebieten und der Straßenverkehr.
Ist Kroatien das sicherste Land Europas?
Das hängt vom Maßstab ab. Bei der Kriminalität, die Einwohner rund um ihr Zuhause wahrnehmen, hatte Kroatien 2023 den niedrigsten Wert in der EU. Im Global Peace Index 2026, der auch Militärausgaben und Konflikte gewichtet, liegen Island, die Schweiz, Slowenien und Österreich weiter vorn.
Gibt es in Kroatien noch Landminen?
Kroatien hat sich im März 2026 offiziell für frei von Landminen erklärt, nachdem rund 107.000 Minen geräumt worden waren. Für ehemalige Frontgebiete empfehlen die Reisehinweise des Auswärtigen Amts und des britischen Außenministeriums weiterhin, auf Straßen und markierten Wegen zu bleiben. Lassen Sie verdächtige Gegenstände unberührt und melden Sie sie unter 112.
Wie lautet die Notrufnummer in Kroatien?
Die 112 gilt für alle Notfälle und ist von jedem Telefon aus kostenlos. Die Direktnummern sind 192 für die Polizei, 193 für die Feuerwehr, 194 für einen Krankenwagen und 195 für Suche und Rettung auf See.

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